Betriebe: Geschichte

Altbau-Elloks in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz: Einsatz im Südwesten

Ganz unterschiedlich verlief der Einsatz der Altbau-Elloks im Südwesten des Bundesbahn-Netzes. Während Baden-Württemberg lange Jahre mit regem Betrieb glänzte, hatten die Reichsbahn-Baureihen in Hessen und Rheinland-Pfalz eher Seltenheitswert. Immerhin: Überraschungen waren nicht ausgeschlossen.
Eine typische Württembergerin ist die 193, die zu Bundesbahnzeiten nur in Kornwestheim beheimatet war. © Georg Wagner
Eine typische Württembergerin ist die 193, die zu Bundesbahnzeiten nur in Kornwestheim beheimatet war.

Schon früh hatte es im Südwesten des Bundesbahn-Netzes Initiativen für die elektrische Traktion gegeben. Im Jahr 1913, also noch zur Länderbahnzeit, wurden die Strecken von Basel Badischer Bahnhof nach Zell (Wiesentalbahn) und die davon in Schopfheim abzweigende Querverbindung zur Hochrheinstrecke nach Säckingen (Wehratalbahn) elektrifiziert.

Die Badische Staatsbahn erprobte hier die elektrische Traktion und wurde damit einer der Wegbereiter dieser neuen Traktionsart. Das kleine elektrische Streckennetz nahe der Schweizer Grenze wurde eine der Keimzellen des elektrischen Betriebs in Deutschland. Auch die nächste in Baden elektrifizierte Strecke diente Versuchszwecken: 1936 ging die Höllentalbahn mit 20 kV/ 50 Hz in Betrieb.

Zwei Versuchsstrecken standen am Anfang des elektrischen Betriebs

Zu Zeiten der Vorkriegs-Reichsbahn hielt der elektrische Betrieb auch in Württemberg Einzug. Von 1931 bis 1933 wurden die Verbindung Augsburg nach Stuttgart elektrifiziert und der Stuttgarter Vorortverkehr auf Elektrotraktion umgestellt. Weitere Strecken folgten.

Elloks in Baden-Württemberg

In großem Stil begann die Elektrifizierung im Gebiet des Bundeslands Baden-Württemberg aber erst in den 1950er-Jahren.

Ein Meilenstein war die Umstellung der Oberrheinstrecke von Basel bis Mannheim auf elektrischen Betrieb, die in mehreren Teilabschnitten bis 1958 geschah. Weitere Strecken kamen nach und nach hinzu und heute sind alle wichtigen Hauptstrecken in Baden- Württemberg elektrifiziert.

Altbau-Elloks stellten vielfach die „Anfangsausstattung“ für den Betrieb dar und waren auch in späteren Jahren in weiten Teilen des „Ländles“ anzutreffen. Zu namhaften Heimat-Bahnbetriebswerken avancierten die Dienststellen von Basel, Freiburg, Haltingen, Heidelberg, Mannheim, Offenburg, Stuttgart, Tübingen und Kornwestheim.

Die Einsatzgebiete wie auch die eingesetzten Baureihen waren vielfältig: In den frühen 1950er-Jahren machten sich noch E 71 im Personenzugdienst um Weil am Rhein und Lörrach verdient.

E 32 fuhren dort Personenzüge, E 91 waren im Güterverkehr rund um Haltingen und Stuttgart anzutreffen. Bis in die 1970er-Jahre kamen E 17 (sowie anfangs E 18) mit Reisezügen von München nach Stuttgart.

Der 1955 eröffnete neue Hauptbahnhof von Heidelberg schließlich erhielt für einige Zeit E 69 aus Bayern als Rangierloks. In den 1980er-Jahren verrichteten dort dann E 60 (nun 160) ihre letzten Dienste. Die häufigsten Vertreter der Altbau-Fraktion in Baden-Württemberg waren freilich die Loks der Baureihe E 44: Ob im Neckartal oder im Raum Freiburg, bis in die frühen 1980er- Jahre hinein waren sie ein gewohntes Bild.

Das Gleiche gilt für die E 94/194, die sich Jahrzehnte lang im schweren Güterverkehr verdient machten.

Eine Spezialität des Bundeslandes stellten die Maschinen der Baureihe E 93/193 dar; sie waren nur hier zu finden und in Kornwestheim stationiert.

Zusammen mit den stärkeren Schwestern 194 übernahmen sie bis in die frühen 1980er-Jahre auch den Schubdienst an der Geislinger Steige. 1984 rollten die letzten 193 aufs Abstellgleis.

Während die Bundesbahn in Baden-Württemberg noch lange Altbau-Elloks einsetzte, waren diese aus den nordwestlich und nördlich angrenzenden Bundesländern schon weitgehend verschwunden.

Übersicht Ellok-Einsätze: In Hessen und Rheinland-Pfalz

Die Gebiete der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz wurden überwiegend durch die Bundesbahndirektionen Frankfurt (Main) und Mainz abgedeckt. Beide gehörten zu jenen Direktionen, die mit fortschreitender Elektrifizierung von der Zuteilung fabrikneuer Einheits-Elloks profitierten.

So waren zwar bisweilen Altbau- Elloks aus anderen Direktionen zu Gast, aber erst relativ spät, zum Winterfahrplan 1966/67, wurden hier auch die ersten Maschinen heimisch.

Dabei beschränkte sich der Bestand auf zwei Baureihen, die überdies vor allem Hilfs- und Ergänzungsdienste leisten sollten: E 32 und E 52. Vorrangig für die Beförderung von Abstellzügen erhielt das Bahnbetriebswerk (Bw) Frankfurt-Griesheim im September 1966 fünf Maschinen der Baureihe E 32 aus Augsburg und Freiburg und drei E 52 aus Pressig-Rothenkirchen zugewiesen.

Aktiv waren sie nun vor allem rund um den Frankfurter Hauptbahnhof. Mit einzelnen untergeordneten Leistungen kamen sie zudem im gesamten Stadtgebiet herum. Mit dem Ende ihrer Heimatdienststelle Griesheim zum 27. Mai 1967 wechselten sie zum Bw Frankfurt (Main) 1, an ihren Einsätzen änderte sich jedoch nichts.

Bis zum Sommer 1968 wurde der Bestand an E 32 aufgelöst. Die letzten aktiven E 52 gab man Anfang 1969 nach Kaiserslautern ab.

Refugium Kaiserslautern

Das dortige Bw hatte zum Winterfahrplan 1966/67 erste E 52 erhalten und entwickelte sich nun zum letzten Refugium der mächtigen Stangen-Ellok. Anfangs durfte diese noch Güterzüge nach Neustadt/Weinstraße (– Ludwigshafen) bzw. Saarbrücken schleppen, bald aber blieben nur untergeordnete Einsätze als Rangierlok oder vor Hilfszügen.

Ab Sommer 1969 waren alle verbliebenen E 52 der Bundesbahn in Kaiserslautern konzentriert. Schließlich folgten erste Abstellungen. Als letzte betriebsfähige Lok schied E 52 14 am 10. August 1972 aus dem Dienst aus.

Fokus Ellok-Einsätze: E 69 in Heidelberg

Auf der mit 5.500 Volt Wechselstrom betriebenen Nebenbahn von Murnau nach Oberammergau hatten die fünf zwischen 1905 und 1930 gebauten Lokomotiven der Baureihe E 69 jahrzehnte lang ihr Zuhause.

Das änderte sich 1955, als die Strecke auf die bei der DB üblichen 15.000 Voltumgerüstet wurde. E 69 02–05 erhielten eine veränderte elektrische Ausrüstung, E 69 01 wurde ausgemustert und als Denkmalslokaufgestellt.

Den Personenverkehr auf der Ammergaubahn hatten aber eine E 62 und ein ET 85 übernommen, so dass in Murnau keine vier E 69 mehr benötigt wurden. Daraufhin wies die DB zwei E 69 einem anderen Einsatzgebiet zu.

Im neu erbauten Heidelberger Hauptbahnhof sollte aus Prestigegründen nichtmehr mit Dampf rangiert werden. So wurden E 69 02 und 03 dorthin beordert. Neun Jahrelang verschoben sie Kurswagengruppen oder gar ganze Schnellzuggarnituren; 1964 kehrten sie dann in ihre oberbayerische Heimat zurück.

Lokomotiven der Baureihe E 60 übernahmen die Heidelberger Rangieraufgaben bis in die 1980er-Jahre hinein.

Ulrich Budde, Martin Weltner, Oliver Strüber

Artikel aus BAHN EXTRA 06/2015.

TEXT: Ulrich Budde, Martin Weltner, Oliver Strüber; FOTOS: Georg Wagner, Ludwig Rotthowe, Dr. Rolf Brüning, Carl Bellingrodt/ Dr. Brian Rampp
Fotos: 
Ludwig Rotthowe, Dr. Rolf Brüning
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