Unsere Frage des Monats aus Heft 10/15

Fahrermangel überall

Wegen Fahrermangel entfallen die Kurse …“ oder „Zu viele Krankheitsfälle: Bus- und Bahnfahrten fallen aus.“ Nachrichten dieser Art reißen von den Straßenbahnbetrieben aus ganz Deutschland derzeit gar nicht mehr ab. Die Albtal-Verkehrs- Gesellschaft dünnte in ihrer Not den Fahrplan aus und verdoppelte die Anzahl der auszubildenden Triebfahrzeugführer. In der Tagespresse sind Überschriften wie „Lokführer händeringend gesucht“ längst keine Besonderheit mehr. Die Situation spitzt sich zu! Doch gibt es in Deutschland wirklich keine Arbeitskräfte mehr?
Unsere Frage des Monats aus Heft 10/15: Gibt es in Deutschland wirklich keine Arbeitskräfte mehr? © Straßenbahn Magazin Archiv
Unsere Frage des Monats aus Heft 10/15: Gibt es in Deutschland wirklich keine Arbeitskräfte mehr?

Auf diese Frage gaben im Sommer sechs Straßenbahnfahrer in einem offenen Brief gewissermaßen eine Antwort. Sie beklagten schlechte Bezahlung, ein mieses Betriebsklima und richteten an die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sogar Spionagevorwürfe.

Das Unternehmen konnte die Vorwürfe nicht nachvollziehen und dementierte natürlich prompt. Doch wer mit den Männern an den Fahrschaltern in Deutschland ins Gespräch kommt, merkt rasch – so weit hergeholt sind die Vorwürfe der sechs Leipziger Kollegen gar nicht!

Aufgrund des Spardrucks der Kommunen sowie der ständigen Suche von Betriebswirten nach Möglichkeiten zur Rationalisierung des Betriebes fühlen sich viele Männer in der Praxis immer häufiger im Regen stehengelassen.

Im Gespräch mit im produzierenden Gewerbe ebenfalls im Schichtdienst tätigen Freunden werden den Fahrern ihre vergleichsweise schlechteren Arbeitsbedingungen und Einkommen bewusst. Dieses Phänomen ist nichts Neues – als sich jene „Schere“ vor etwa 50 bis 60 Jahren das erste Mal öffnete, liefen den Betrieben allerorts Fahrer und Schaffner davon.

Die Folge waren Einmannwagen und der „OS“-Betrieb. Doch inzwischen gibt es keine Schaffner mehr, auf welche die Betriebe verzichten und so auch noch Kosten reduzieren könnten. Jeder Fahrer, der heute seinem Unternehmen den Rücken kehrt, fehlt und verstärkt die Belastung der verbleibenden Kollegen.

Allen Unzufriedenen möchte ich aber heute schreiben: Leistungs- und Spardruck ist kein Phänomen von Verkehrsbetrieben! Meine eigene Erfahrung zeigt, man kann schnell vom Regen in die Traufe kommen. Doch ist das ein Grund, sich mit Negativen zu arrangieren? Was sagen Sie, liebe Leser, dazu?

Unsere Frage des Monats:

Wie attraktiv ist für Sie als Straßenbahnfahrer Ihre Arbeit bzw. von welchen Problemen als Fahrer arbeitender Bekannter hören Sie?

Schreiben Sie uns Ihren Standpunkt per E-Mail an: redaktion@strassenbahn-magazin.de. Die interessantesten Zuschriften veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe oder hier an dieser Stelle.

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