Unsere Frage des Monats aus Heft 11/15

Mieten statt kaufen?

Das ist alles nur geklaut, das ist alles gar nicht meines“, heißt es in einem Lied der „Prinzen“. Doch keine Angst – es geht hier nicht um Taschendiebstähle in der Straßenbahn, sondern um eine andere Eigentumsfrage: Wissen Sie, liebe Leser, wem die Bahn eigentlich gehört, in der Sie gerade sitzen?
1993 als letzter von45 N10CDU in Dienstgestellt, ist Duisburgs Tw 1045 heute jüngstes Duisburger Straßenbahnfahrzeug. Der Betrieb benötigt dringend Neufahrzeuge, doch die klammen Kassen lassen dies kaum zu. Ist ein Mietmodell die Lösung? © Michael Beitelsmann
1993 als letzter von45 N10CDU in Dienstgestellt, ist Duisburgs Tw 1045 heute jüngstes Duisburger Straßenbahnfahrzeug. Der Betrieb benötigt dringend Neufahrzeuge, doch die klammen Kassen lassen dies kaum zu. Ist ein Mietmodell die Lösung?

In meiner Jugend in der DDR lautete die Antwort ganz lapidar: dem Volk! Als ich diese Zeilen am 3. Oktober 2015 schrieb, jährte sich das Ende des Experimentes mit dem Volkseigentum zum 25. Mal. Seitdem müssen für Straßenbahnwagen auch in Ostdeutschland reale Preise gezahlt werden.

Immerhin sind die Hersteller trotz aller Automatisierungen unverändert Menschen. Diese Arbeiternehmer erwarten am Monatsende eine Summe X auf ihrem Konto. Und das Geld dazu nehmen die Unternehmen üblicherweise aus dem Verkauf der Fahrzeuge an Verkehrsbetriebe ein.

In der übrigen Wirtschaft gibt es jedoch längst neue Modelle – Leasing ist das Stichwort. Die Kfz-Branche nutzt dieses Konzept bereits seit vielen Jahren, um der Konkurrenz beim Absatz ein Stück voraus zu sein. Im Bahnfahrzeug-Bereich ist das Modell noch vergleichsweise neu.

Mehrere Verkehrsverbünde haben aber schon die Anschaffung von Fahrzeugen für Nahverkehrsstrecken übernommen. Sie stellen das rollende Material dann leihweise einem Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zur Verfügung.

Eigentümer bleibt so der Verkehrsverbund, das EVU ist als Leihnehmer lediglich Besitzer und Betreiber der Fahrzeuge. Jetzt möchte der erste Straßenbahnbetrieb auf diesen Zug aufspringen!

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) soll im nächsten Jahr für die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) neue Straßenbahnwagen kaufen – und dann an die DVG vermieten! Noch wird dieses Modell geprüft – aber die Zeit drängt.

Denn spätestens zum Jahresende muss sich die Stadt Duisburg darauf festgelegt haben, wie sie den dringend nötigen Kauf von 45 neuen Straßenbahnwagen finanziert. Pro Fahrzeug sind gegenwärtig 3,5 Millionen Euro veranschlagt, das ergibt eine Gesamtsumme von 157,5 Millionen Euro. Das kann sich die verschuldete Stadt Duisburg nicht im Ansatz leisten.

Unklar ist, wie andere Städte im Ruhrgebiet darauf reagieren, wenn einem Betrieb der Druck zum Selbstfinanzieren neuer Wagen genommen wird. Geht der Wunsch der DVG auf?

Wird das Modell auch bei anderen Straßen- und Stadtbahnbetrieben Schule machen?

Unsere Frage des Monats:

Was halten Sie vom Wunsch der DVG, Straßenbahnwagen für Duisburg nicht mehr zu kaufen, sondern zu mieten?

Schreiben Sie uns Ihren Standpunkt per E-Mail an: redaktion@strassenbahn-magazin.de. Die interessantesten Zuschriften veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe oder hier an dieser Stelle.

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